Geschichte der Gemeinde

Traditionen wahren – Gegenwart gestalten

Die erste urkundliche Erwähnung von Orten entlang der Wipper, der heutigen Flächenausdehnung von Wipperdorf, erfolgte im Jahr 1093.

Graf Heinrich von Northeim schenkte seinem Kloster Bursfelde Besitzungen in Busteleven. 1119 übergab Graf Wichmann in Thüringen der Kirche St. Mariae zu Erfurt die Kirche in Busteleven.

1330 verkaufte Heynricus de Asla, Burgmann auf Klettenberg, dem Nordhäuser Altendorfskloster 3 Hufen und Höfe im Felde und Dorfe Busteleven.

Im 14. Jahrhundert hatte der Dom zu Nordhausen Besitzungen in Roldisleyben (Oberdorf) und inferiori Roldisleyben (Mitteldorf).

Die ältesten Ortskernteile gruppieren sich um die drei Kirchen.

Aus dem Jahr 1573 ist die Aussage überliefert, dass 45 Hausbesitzer in Pustleben, 33 in Oberdorf und 40 in Mitteldorf existierten.

Seit dem 16. Jahrhundert regierten die Grafen von Hohnstein über unsere Region.

Neben der Landwirtschaft als Haupterwerbszweig entwickelte sich im 19. Jahrhundert die Leineweberei als Erwerbsquelle.

Die alte Heer- und Handelsstraße (heutige L 3080) die Pustleben in Nord-Süd-Richtung querte, wurde 1856 als Halle-Kasseler- Chaussee modernisiert.

Um 1868 begann der Bau der Eisenbahnstrecke Halle – Kassel.

Im Jahre 1900 setzte mit dem Bau des Kaliwerkes Bleicherode ein wesentlicher Entwicklungsimpuls für die Wirtschaft ein.

1912 wurde das Kraftwerk errichtet, dazu kam eine der größten Gewächshausanlagen Deutschland zu jener Zeit.

Die beiden Weltkriege forderten auch von den Einwohnern Pustlebens, Ober- und Mitteldorfs ihre Opfer. Viele junge Männer fielen an den Fronten, sie werden noch heute von Angehörigen und Verwandten betrauert.

Mit dem Ende des 2. Weltkrieges entstanden in Deutschland zwei Staaten, welche unterschiedliche Entwicklungen nahmen.

In der ehemaligen Sowjetischen Besatzungszone wurde die Bodenreform konsequent durchgeführt. Große Betriebe wurden verstaatlicht und Volkseigentum.

1950 schlossen sich die Orte Pustleben und Mitteldorf zu der Gemeinde Wipperdorf zusammen, 1952 kam Oberdorf dazu.

1960 gab es acht Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG).

In den 1970er Jahren entwickelten sich im Rahmen der Spezialisierung die LPG Planzenproduktion und die LPG Milchproduktion. In diesen LPG sowie dem bezirksgeleiteten Volkseigenem Gut (VEG) war ein Großteil der Einwohner von Wipperdorf beschäftigt.

Viele Einwohnerinnen und Einwohner fuhren in die Großbetriebe Nordhausens sowie zum Kaliwerk „Karl Liebknecht“ in Bleicherode, um ihr Geld zu verdienen.

Ab 1976 war Wipperdorf eine von neun Gemeinden, welche dem Gemeindeverband Bleicherode angehörten.

Insgesamt wurde zu DDR-Zeiten sehr viel in Eigeninitiative der Bürgerinnen und Bürger gestalten

  • Gehwege wurden neu angelegt
  • Straßen gebaut
  • Gräben verrohrt
  • Sportplatz und Mehrzweckhalle wurden in Pustleben gebaut
  • Festplatz in Oberdorf wurde gestaltet und vieles andere mehr.

1970 wurde die neue Schule mit Turnhalle für die Schülerinnen und Schüler aus Wipperdorf eingeweiht. Nach der Erweiterung 1976 wurden Schülerinnen und Schüler der umliegenden Ortschaften aufgenommen.

Zur Verbesserung der Wohnsituation wurden insbesondere seit den 1960er Jahren 70 Eigenheime errichtet. Seitens der Gemeinde und der landwirtschaftlichen Betriebe entstanden vier Wahnblocks mit je 18 bzw. 24 Wohnungen.

Die Wende 1989 ging auch an Wipperdorf nicht spurlos vorüber. Es bildeten sich neue Parteien und Organisationen.

Nach der Wirtschafts- und Währungsunion waren viele Firmen nicht mehr wettbewerbsfähig, es kam zu ersten Betriebsschließungen und zu Arbeitslosigkeit.

In unserer Gemeinde betraf das vorwiegend die Molkerei und das VEG in Pustleben. In den Landwirtschaftsbetrieben wurde umfassend rationalisiert und modernste Technik eingesetzt, so dass man mit weniger als einem Drittel der ehemals Beschäftigten seine Aufgaben mit besseren Ergebnissen lösen konnte.

Auch die großen Betriebe in Nordhausen und das Kaliwerk in Bleicherode wurden rationalisiert oder „abgewickelt“. Massenarbeitslosigkeit war das Ergebnis und die Euphorie der ersten Tage wich der „Ausweglosigkeit“.

Viele Bürgerinnen und Bürger versuchten sich in der Selbständigkeit, so gab es im Zeitraum 1990 bis 1993 fast 80 Selbständige, die überwiegende Mehrzahl davon waren 1-Personen –Betriebe.

Am 15. Juli 1993 wurde in der Gemeinde der heutige tegut-Einkaufsmarkt unter dem Namen Okay-Markt eröffnet.

In diese Gebäude sind heute noch integriert

  • Getränkemarkt Sparkasse
  • Arztpraxen
  • Friseur
  • Back-Shop
  • Fleisch- und Wurstwaren
  • Döner-Imbiss

Seit der Wende wurde vorwiegend in die Infrastruktur der Gemeinde investiert. Die Gemeinde ist zu 100% an die Abwasserbehandlungsanlage in Bleicherode angeschlossen. In diesem Zusammenhang wurden fast alle Straßen und Gehwege saniert. Das war möglich, da die Gemeinde von 2004 bis 2008 Fördermittel aus dem Programm der Dorferneuerung in Anspruch nehmen konnte. Mit der Übergabe der Fördermittel der Dorferneuerung im Zeitraum 2012 bis 2016 sollen weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur durchgeführt werden.

Der Gemeinderat ist sich mit den Bürgerinnen und Bürgern einig, dass die anstehenden Aufgaben zu lösen sind. Voraussetzung ist allerdings die finanzielle Ausstattung mit Eigenmitteln für Investitionen.

Die Geschichte der drei Dörfer im Wippertal lässt sich nicht voneinander trennen. Was der eine Ort erlebte, das traf auch den anderen, denn sie liegen so dicht beieinander, dass der Uneingeweihte sie für einen Ort hält. Und dennoch hat jedes dieser ehemals bis 1952 eigenständigen Dörfer seine Besonderheiten bis heute bewahrt. Auch die Orientierung der Einheimischen erfolgt nach wie vor an dem Namen des ehemaligen Ortes.

Diese Besonderheiten gilt es beizubehalten und gleichzeitig Gemeinsamkeiten herauszubilden, um so immer noch Trennendes der Vergangenheit angehören zu lassen.